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Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung (Ösophagus-Motilitätsstörung): Sammelbegriff für selten auftretende Erkrankungen von Muskeln und Nerven der Speiseröhrenwand, die durch Störungen in der Beweglichkeit der Speiseröhre und des Nahrungstransports gekennzeichnet sind. Die Betroffenen leiden unter krampfartigen Brustschmerzen und Schluckbeschwerden. Wichtigste Formen sind die Achalasie, bei der die Beweglichkeit der Speiseröhre vermindert ist, sowie der diffuse Ösophagusspasmus und die Nussknacker-Speiseröhre (hyperkontraktiler Ösophagus), für die eine erhöhte Kontraktionsstärke bzw. -häufigkeit der Speiseröhre charakteristisch ist. Krankheitsverlauf und Therapieerfolg variieren abhängig von der ursächlichen Funktionsstörung. Patienten mit einer Achalasie haben ein 15-fach erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken.

Die Achalasie ist eine Erkrankung, bei der Nervenzellen im letzten Abschnitt der Speiseröhre absterben. Dadurch verengt sich der letzte Speiseröhrenteil, während sich der darüber liegende Teil der Speiseröhre ausweitet.

Abzugrenzen sind die sekundären Speiseröhren-Beweglichkeitsstörungen, die im Gefolge anderer Erkrankungen auftreten z. B. bei progressiver Sklerodermie, Mischkollagenose, Lupus erythomatodes, Diabetes, Parkinson-Krankheit sowie generalisierten Muskelerkrankungen (z. B. Myasthenia gravis). Die Behandlung dieser Störungen richtet sich nach der Ursache.

Leitbeschwerden

  • Schluckbeschwerden, die im Laufe der Zeit immer ausgeprägter werden
  • Starke Schmerzen im Brustbereich, direkt unter dem Brustbein
  • Bei der Achalasie vor allem nachts Zurückströmen von Nahrung in die Mundhöhle.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn schon seit Tagen starke Schluckbeschwerden bestehen, die nicht von selbst wieder weggehen

Noch heute, wenn krampfartige Brustschmerzen auftreten.

Die Erkrankungen

Achalasie. Der Achalasie liegt eine Schädigung des Nervengeflechts (Plexus myentericus) in der unteren Speiseröhre zugrunde. Dadurch ist die Speiseröhre nur eingeschränkt beweglich, und der untere Ringmuskel (Ösophagussphinkter) kann bei der Nahrungspassage nicht ausreichend erschlaffen, so dass der Speisebrei nicht oder nur unvollständig aus der Speiseröhre in den Magen gelangt. Die Betroffenen empfinden krampfartige Brustschmerzen und haben Schluckbeschwerden. Nachts fließt die unverdaute Nahrung oft wieder in die Mundhöhle zurück. Die Schluckbeschwerden führen dazu, dass die Erkrankten immer weniger essen und an Gewicht verlieren.

Diffuser Ösophagusspasmus. Starke krampfartige Kontraktionen im mittleren und unteren Bereich der Speiseröhre, die keine vorantreibende Wirkung auf die Nahrung haben, sind typisch für den diffusen Ösophagusspasmus. Vor allem ältere Menschen leiden unter der Erkrankung, die mit attackeartigen starken Schmerzen im Brustbereich verbunden ist, die denen einer Angina pectoris ähneln, aber anders als diese unregelmäßig und nicht belastungsabhängig auftreten.

Nussknacker-Speiseröhre. Bei der Nussknacker-Speiseröhre zieht sich der untere Bereich der Speiseröhre extrem lange und stark zusammen. Der untere Ringmuskel funktioniert – wie auch beim diffusen Ösophagusspasmus – normal. Oft kommt ein Zurückfließen des Mageninhalts hinzu.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Mit einer Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) stellt der Arzt fest, welche Form der Speiseröhren-Kontraktionsstörung vorliegt, und mit der Speiseröhrendruckmessung, wie stark die Beweglichkeit der Speiseröhre gestört ist.

Um eine Krebserkrankung im Mageneingang auszuschließen, führt der Arzt eine Magen- und Speiseröhrenspiegelung durch.

Therapie der Achalasie. Um den Transport der Nahrung von der Speiseröhre zum Magen zu verbessern, dehnt der Arzt den unteren Ringmuskel mit einem Ballonkatheter (Ballondilatation). Der Eingriff wird endoskopisch durchgeführt und ist meistens erfolgreich, doch auch nicht ohne Risiko, denn in ~ 3 % der Fälle reißt die Speiseröhre ein. Außerdem muss bei einem Drittel der Patienten die Aufweitung nach 1–5 Jahren wiederholt werden.

Als Alternative hat sich die endoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den unteren Ringmuskel der Speiseröhre erwiesen. Durch das Nervengift wird der Muskel teilweise gelähmt, so dass die Öffnung zum Magen erweitert und somit für den Nahrungsbrei wieder besser passierbar wird. Die Behandlung ist gut verträglich, muss aber nach 6–12 Monaten wiederholt werden. Bleiben beide Behandlungsmethoden erfolglos, empfiehlt der Arzt die operative Kardiamyotomie. Dabei werden die verdickten Muskeln im Bereich des Mageneingangs (Kardia) und am unteren Ringmuskel der Speiseröhre längs eingeschnitten.

Auch wenn die Therapie die Beschwerden erfolgreich lindert, bleibt das erhöhte Risiko für Speiseröhrenkrebs weiter bestehen. Deshalb sind regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen notwendig.

Therapie von Ösophagusspasmus und Nussknacker-Speiseröhre. Kalziumantagonisten (z.B. Adalat) und Nitropräparate (z. B. Corangin® Nitrospray oder Nitrolingual® Kapseln) helfen die Krämpfe zu lösen. Beim Ösophagusspasmus lindert eine Einspritzung von Botulinumtoxin in die Speiseröhre die Beschwerden für einige Monate; eine dauerhafte Beschwerdefreiheit ist jedoch nicht zu erwarten.

Komplikationen. Als unerwünschte Folge von Ballondilatation und Kardiamyotomie tritt in ~ 15 % der Fälle eine bleibende Funktionsstörung des Ringmuskels auf, der die Refluxkrankheit zur Folge hat.

Selbsthilfe

Zu den sinnvollen Maßnahmen gehören langsames Essen und gutes Kauen. Meiden Sie Speisen und Getränke, die Sie schlecht vertragen. Bei Schluckstörungen hilft der Verzehr von flüssigen oder pürierten Speisen. Trinken Sie viel Wasser zu den Mahlzeiten, da auf diese Weise die Speisen besser rutschen. Halten Sie Ihren Oberkörper beim Essen möglichst aufrecht. Wenn Ihnen das Schlucken während einer Mahlzeit besonders große Probleme bereitet, stehen Sie während der Mahlzeit auf und gehen ein paar Schritte umher.

Um die Nachtruhe zu verbessern, nehmen Sie die letzte Mahlzeit des Tages mindestens drei Stunden vor dem Zubettgehen ein und schlafen Sie möglichst mit erhöhtem Oberkörper Refluxkrankheit.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 28.04.2016 um 12:07


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